Was die Berliner Fachkräftestrategie 2035 für Unternehmen bedeutet

Wir schreiben das Jahr 2026, und Deutschland kämpft noch immer mit demselben großen Problem, das den Arbeitsmarkt seit Jahren belastet: dem Fachkräftemangel.

Auch wenn die Arbeitsmarktzahlen zuletzt gestiegen sind, weil die Wirtschaft schwächelt. Das Thema ist längst kein kurzfristiger Engpass mehr. Es betrifft Deutschland genauso wie viele andere führende Volkswirtschaften in Europa. Die demografischen Zahlen sprechen ein klare Sprache.

Für Unternehmen, vor allem für kleine und mittlere Betriebe, stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob der Mangel real ist. Die eigentliche Frage lautet: Wie geht man damit konkret um?

In Berlin hat der Senat mit der Fachkräftestrategie 2035 dafür nun einen klareren Rahmen gesetzt.

Das Problem ist nicht abstrakt, und die Zahlen sprechen für sich. Zwischen 2025 und 2035 müssen in Berlin mehr als 560.000 Stellen neu besetzt werden. Gleichzeitig sollen bis 2035 rund 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Diese Zahlen allein zeigen schon, dass der Fachkräftemangel in der deutschen Startup-Metropole kein vorübergehendes Problem ist. Er ist eine strukturelle Herausforderung, die Unternehmen noch viele Jahre beschäftigen wird.

Berlin lebt von Innovation, Unternehmertum und einem der stärksten Startup-Ökosysteme Europas. Aber all das funktioniert nur mit den richtigen Menschen. Wenn die Stadt wirtschaftlich stark bleiben will, muss sie qualifizierte Fachkräfte gewinnen und halten. Und zwar nicht zufällig, sondern durch klare Planung und saubere Umsetzung. Genau deshalb setzt die Berliner Fachkräftestrategie nicht nur auf Ausbildung, Weiterbildung und bessere Rahmenbedingungen. Sie bezieht ausdrücklich auch die Gewinnung internationaler Fachkräfte mit ein. Der Berliner Senat beschreibt die Fachkräftestrategie 2035 selbst als zentrale Grundlage, um die anstehenden Transformationsprozesse der Stadt zu gestalten. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass bereits heute rund 31 Prozent der Erwerbstätigen in Berlin aus dem Ausland kommen. Internationale Beschäftigung ist also kein Zukunftsthema mehr. Sie ist längst Teil der wirtschaftlichen Realität Berlins.

Für Berliner Unternehmen, gerade für den Mittelstand, ist die Botschaft damit klar: Wer Personalplanung in Berlin noch immer rein lokal denkt, plant an der Realität vorbei.

Berliner Fachkräftestrategie 2035

Warum die Strategie für Unternehmen relevant ist

Die Berliner Fachkräftestrategie 2035 ist politisch formuliert, ihre Wirkung ist aber ganz praktisch. Für viele kleine und mittlere Unternehmen ist das kein Papier, das man einmal liest und dann abheftet. Es geht um eine viel direktere Frage: Wie sollen offene Stellen in den kommenden Jahren überhaupt noch besetzt werden?

Die IHK Berlin zeichnet dazu ein ähnlich klares Bild. Laut Fach- und Arbeitskräftemonitor könnten bis 2035 mehr als 163.000 Stellen unbesetzt bleiben. Gleichzeitig werden bis dahin rund 412.000 Beschäftigte und etwa 520.000 Erwerbspersonen in den Ruhestand gehen. Schon heute bleiben rund 45.000 Stellen offen.

Das sollte für viele Unternehmen ein Weckruf sein. Der Berliner Arbeitsmarkt allein wird diese Lücke nicht schließen. Wer in den kommenden Jahren wachsen, seine Leistungsfähigkeit sichern oder auch nur stabil bleiben will, muss seine Strategie zur Fachkräftegewinnung neu aufstellen. Dazu gehört, neue Wege aufzubauen, lokal und international.

Internationale Fachkräftegewinnung ist kein Extra mehr

Die Fachkräftestrategie 2035 macht eines deutlich: Fachkräftesicherung wird nur funktionieren, wenn mehrere Hebel gleichzeitig genutzt werden. Ausbildung und Qualifizierung bleiben wichtig. Aber die Strategie zeigt auch, dass Fachkräfteeinwanderung in bestimmten Branchen bereits heute eine entscheidende Rolle spielt. Besonders sichtbar wird das im Gesundheits- und Pflegebereich. Dort beschreibt das offizielle Strategiepapier die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte und die langfristige Bindung internationaler Beschäftigter bereits als wichtigen Teil der Lösung.

Die Schlussfolgerung für andere Branchen liegt auf der Hand. Internationale Rekrutierung ist kein Sonderfall mehr und auch keine Notlösung für Einzelfälle. Für viele mittelständische Unternehmen wird sie zu einer notwendigen Ergänzung der lokalen Personalsuche. In Bereichen mit langen Vakanzzeiten, starkem Wettbewerb um Talente oder einem begrenzten regionalen Bewerbermarkt wird internationale Fachkräftegewinnung immer mehr zu einem festen Bestandteil realistischer Personalstrategien.

 

Berliner Fachkräftestrategie 2035 für Unternehmen

Wo Unternehmen in der Praxis hängen bleiben

Auf dem Papier klingt internationale Einstellung oft unkompliziert. Kandidaten identifizieren, Vertrag vorbereiten, Unterlagen organisieren, Starttermin festlegen. In der Realität fangen die Schwierigkeiten oft genau dort an.

Die meisten Verzögerungen entstehen nicht, weil die Kandidaten fachlich ungeeignet wären. Sie entstehen, weil die Umsetzung unterschätzt wird.

Visa-Machbarkeit, Anerkennungsverfahren, Fristen, Dokumentation, Abstimmung mit Behörden und der tatsächliche Start in Deutschland sind oft komplexer, als viele Unternehmen anfangs erwarten. Dazu kommen praktische Themen wie Relocation, Integration und die einfache Frage, ob der geplante Starttermin überhaupt realistisch ist. Genau an dieser Stelle verlieren Unternehmen Zeit, Geld und Planungssicherheit.

Die Berliner Strategie setzt an vielen richtigen Punkten an. Für viele mittelständische Unternehmen bleibt aber die operative Frage offen: Wer steuert das alles intern, wenn dafür weder Kapazität noch Erfahrung vorhanden ist? Eine politische Strategie hilft nur dann, wenn sie in belastbare und funktionierende Prozesse übersetzt werden kann.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Für Unternehmen in Berlin führt die Fachkräftestrategie 2035 vor allem zu einer klaren Erkenntnis: Internationale Einstellungen müssen früher, strukturierter und realistischer geplant werden.

Nicht jedes Herkunftsland passt zu jedem Profil. Nicht jeder Zeitplan ist haltbar. Nicht jeder Kandidat kann unter denselben Voraussetzungen durch denselben Prozess geführt werden. Wer diese Fragen zu spät stellt, verliert schnell Monate. Genau deshalb braucht internationale Fachkräftegewinnung mehr als Recruiting. Sie braucht eine saubere Vorprüfung, realistische Planung und operative Steuerung.

Aus unserer Sicht bei terratalent sind dabei drei Punkte besonders wichtig.

  • Erstens brauchen Unternehmen eine realistische Machbarkeitsprüfung vor der Einstellung. Sie müssen verstehen, ob der gewählte Weg überhaupt tragfähig ist, welche Risiken bestehen und welcher Zeitrahmen realistisch ist.
  • Zweitens braucht es operative Struktur. Visa-Verfahren, Anerkennung, Dokumentation und Behördenkommunikation laufen nicht von selbst. Wer internationale Einstellungen planbar machen will, muss den Prozess aktiv steuern.
  • Drittens endet der Prozess nicht mit der unterschriebenen Zusage. Eine Einstellung ist erst dann wirklich erfolgreich, wenn die Person angekommen ist, legal arbeiten darf und auch tatsächlich arbeitsfähig starten kann.

Brauchen Sie Unterstützung?

terratalent unterstützt Unternehmen dabei, internationale Einstellungen strukturiert vorzubereiten und umzusetzen. Wir prüfen die Machbarkeit, bewerten Risiken, schaffen Klarheit bei Visa-, Anerkennungs- und Zeitfragen und begleiten die nächsten Schritte im Prozess. Für Unternehmen ohne eigene Erfahrung in der internationalen Fachkräftegewinnung ist das oft der Unterschied zwischen Unsicherheit und echter Planungssicherheit.

Was die Berliner Fachkräftestrategie 2035 aus unserer Sicht richtig macht

Aus unserer Sicht erkennt die Strategie einen entscheidenden Punkt richtig: Der Fachkräftemangel lässt sich nicht isoliert lösen. Sie verbindet Arbeitsmarktpolitik, Bildung, Transformation, Integration und Standortpolitik. Genau das bildet die Realität ab. Unternehmen spüren Fachkräftemangel nicht nur im Recruiting. Sie spüren ihn auch in Produktivität, Lieferfähigkeit, Stabilität im Tagesgeschäft und Wachstum.

Richtig ist auch, dass Berlin Fachkräfte nicht mehr nur innerhalb nationaler Grenzen denkt. Die Zahlen, die wachsende Rolle internationaler Beschäftigter und die klare Einbindung von Fachkräfteeinwanderung zeigen, dass das Thema nun endgültig in der praktischen Wirtschaftspolitik angekommen ist.

Jetzt muss der Fokus auf die Umsetzung gehen. Unternehmen brauchen keine weitere Grundsatzdebatte. Sie brauchen realistische, belastbare und planbare Wege, die in der Praxis funktionieren.

Fazit

Die Berliner Fachkräftestrategie 2035 ist ein wichtiges Signal. Sie zeigt klar, wie groß der Handlungsdruck ist und warum internationale Fachkräftegewinnung ein fester Teil der Lösung werden muss. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Wer in Berlin langfristig handlungsfähig bleiben will, muss internationale Einstellungen strategisch und operativ mitdenken.

Am Ende werden nicht gute Absichten oder politische Papiere den Unterschied machen. Entscheidend ist die Umsetzung. Genau daran wird sich zeigen, ob aus einer Fachkräftestrategie tatsächlich erfolgreiche Einstellungen werden oder nur ein weiteres gut formuliertes Konzept.

Quelle: IHK berlin und Senate Department for Labour, Social Affairs, Equality, Integration, Diversity and Anti-Discrimination

Beitrag von

Paul Apronti
Paul AprontiMarketing & Talent Mobility Consultant