Warum die Chancenkarte für Arbeitgeber immer wichtiger wird

Seit Juni 2024 gibt es in Deutschland die Chancenkarte. Sie wurde von der damaligen Ampel-Koalition eingeführt und soll Fachkräfte aus Drittstaaten schneller und einfacher nach Deutschland bringen. Die Aufenthaltserlaubnis basiert auf einem Punktesystem und richtet sich vor allem an gut ausgebildete junge Menschen, die in Deutschland arbeiten möchten.

Der Nutzen zeigt sich deutlich. Die Bundesregierung hat am 27. Juni 2025 auf eine Kleine Anfrage geantwortet und bestätigt, dass das Interesse an der Chancenkarte sehr hoch ist. Zwischen dem 1. Januar 2024 und dem 15. Juni 2025 wurden insgesamt 11.479 Visa und Chancen-Karten ausgestellt.

Die meisten Bewerber kamen aus (Top 10 nach Erteilungen):

  1. Indien – 3.721
  2. China –
  3. Türkei
  4. Vereinigtes Königreich
  5. USA
  6. Tunesien
  7. Ägypten
  8. Russische Föderation
  9. Pakistan
  10. Aserbaidschan

Quelle: Drucksache 21/692 des Deutschen Bundestages, Seite 2–4

Quelle: Drucksache 21/692 des Deutschen Bundestages, Seite 2–4

Auch online zeigt sich das starke Interesse. Die allgemeine Infoseite zur Chancenkarte und das Self Check Tool gehören zu den fünf meistbesuchten Seiten der Plattform Make it in Germany im Jahr 2025.

Allerdings bleibt eine spannende Frage unbeantwortet. Die Bundesregierung hat nicht offengelegt, wie viele Menschen nach der Chancenkarte tatsächlich eine unbefristete Beschäftigung erhalten haben. Genau das wäre für Unternehmen ein wichtiger Erfolgsindikator.

Geplant ist, dass das Bundesministerium des Innern die Chancenkarte drei Jahre nach Inkrafttreten evaluiert.

Was wir bei terratalent sehen

Auch bei terratalent melden sich viele junge Fachkräfte, die sich aktiv für die Chancenkarte interessieren. Sie bringen gute Bildung, Motivation und oft schon Deutschkenntnisse mit. Gleichzeitig sehen wir drei zentrale Hürden, die viele davon abhalten, den Schritt nach Deutschland zu gehen.

1. Sperrkonto und Sicherung des Lebensunterhalts

Wer mit der Chancenkarte nach Deutschland kommt, muss seinen Aufenthalt finanziell absichern. Meistens passiert das über ein Sperrkonto. Der notwendige Betrag liegt bei rund 1.091 Euro pro Monat, gültig für das Jahr 2025. Insgesamt müssen Bewerber also mehr als 13.000 Euro aufbringen.

Für viele Bewerber ist das enorm viel Geld. Häufig müssen Familien zusammenlegen, was großen Druck erzeugt und Bewerber emotional zusätzlich belastet.

Eine Alternative wäre eine Verpflichtungserklärung. Doch nicht jeder hat Kontakte oder Arbeitgeber, die dazu bereit sind.

2. Arbeitsvertrag als Nachweis der Sicherung

Eine dritte Möglichkeit ist ein Arbeitsvertrag. Dieser muss jedoch mindestens 13.092 Euro netto pro Jahr abdecken. Das entspricht einem Bruttostundensatz von etwa 13,50 bis 14 Euro.

Viele Arbeitgeber tun sich schwer damit, ein verbindliches Angebot auszustellen, obwohl der Bewerber noch nicht einmal in Deutschland ist. Dazu kommt die Unsicherheit, ob der Bewerber tatsächlich einreisen kann.

3. Lange Wartezeiten im Visumsprozess

Ein weiteres Problem sind die Wartezeiten. Viele Anträge müssen über deutsche Auslandsvertretungen eingereicht werden. In einigen Ländern sind die Wartezeiten extrem lang. In Nigeria beträgt sie zum Beispiel derzeit mehr als ein Jahr.

Welches Unternehmen plant seine Personalstrategie ein Jahr im Voraus so konkret, dass ein Arbeitsvertrag ausgestellt werden kann, der erst 12 Monate später gültig wird?

Für viele Firmen ist diese Wartezeit nicht praktikabel.

Quelle: Drucksache 21/692 des Deutschen Bundestages, Seite 2–4

Warum sich die Chancenkarte trotzdem lohnt

Trotz dieser Herausforderungen bietet die Chancenkarte große Vorteile für Unternehmen.

Sie können Kandidaten schon vorab kennenlernen

Unternehmen haben die Möglichkeit, internationale Fachkräfte im Arbeitsalltag zu testen. Sie sehen, ob der Bewerber fachlich und persönlich ins Team passt.

Flexible Einsatzmöglichkeiten

Die Chancenkarte erlaubt Teilzeitbeschäftigung bis zu 20 Stunden pro Woche sowie Probearbeiten. Unternehmen können so Engpässe für bis zu drei Jahre überbrücken.

Option auf langfristige Bindung

Wenn ein Kandidat die Voraussetzungen erfüllt, kann er später eine Blaue Karte EU erhalten. Das gibt Unternehmen die Möglichkeit, wertvolle Fachkräfte langfristig zu halten.

Aufbau einer Talent Pipeline

Gerade Unternehmen, die dauerhaft Personal suchen, können mit der Chancenkarte eine stabile Pipeline aufbauen. Erst Teilzeit, später Festanstellung. Besonders im Mittelstand kann das eine enorme Entlastung bringen.

 

Ein strategisches Werkzeug für Unternehmen

Die Chancenkarte ist nicht nur ein Visatitel. Sie ist ein strategischer Kanal, um dem wachsenden Personalmangel zu begegnen.

Gerade Unternehmen, die:

  • regelmäßig Personal suchen,
  • flexible Einstiegsmöglichkeiten bieten,
  • oder neue Zielgruppen erschließen wollen,

profitieren stark.

Viele unserer Kandidaten sind Hochschulabsolventen, haben erste Berufserfahrung und verfügen bereits über Deutschkenntnisse bis B1.

 

Abschließend

Die Chancenkarte funktioniert. Die Nachfrage ist hoch. Und sie wird aus Sicht der Bundesregierung weiterhin gebraucht. Trotz struktureller Hürden bietet sie Arbeitgebern die Chance, qualifizierte internationale Talente kennenzulernen und frühzeitig zu binden. Für Unternehmen, die bereit sind, strategisch zu denken, ist sie ein wertvolles Instrument, um eine langfristige Lösung für den Fachkräftemangel aufzubauen.Wenn Sie Zugang zu qualifizierten Talenten suchen – melden Sie sich gerne bei uns. Wir unterstützen bei Auswahl, Vorbereitung und allen administrativen Schritten.

Beitrag von

Burkhard Volbracht
Burkhard VolbrachtManaging Director